Das Mittelmeer ist das beliebteste Kreuzfahrtrevier der Welt. Kein Wunder, denn innerhalb einer Woche kannst du mehrere Länder, Kulturen und Küstenlandschaften erleben, ohne deinen Koffer neu packen zu müssen. Doch der Begriff „Mittelmeer“ verschleiert eine entscheidende Wahrheit: Die Unterschiede zwischen den Routen sind enorm. Wer sich für die falsche entscheidet, endet in überlaufenen Häfen oder verpasst genau die Landschaften, die er sehen wollte. 🌊
In diesem Artikel geben wir dir einen sachlichen Überblick über die fünf wichtigsten Routentypen. Du erfährst, welche Reiseziele typischerweise angesteuert werden, welche Kreuzfahrtdauer sinnvoll ist und worauf bei der Buchung zu achten gilt. Keine persönlichen Urlaubsberichte, sondern konkrete Informationen, mit denen du deine Entscheidung treffen kannst.

Westliches Mittelmeer: Barcelona bis Rom
Die klassische Route des westlichen Mittelmeers verbindet Spanien, Frankreich und Italien. Typische Abfahrtshäfen sind Barcelona, Civitavecchia bei Rom oder Genua. Die Route führt häufig über Marseille oder die Côte d’Azur, manchmal auch nach Mallorca, Sizilien oder Neapel. 🏰
Der große Vorteil dieser Route liegt in der Kombination aus Stadt und Strand. Du kannst in Barcelona die Sagrada Família besichtigen, in Marseille den Calanques-Nationalpark erkunden und in Rom das Kolosseum besuchen, alles innerhalb einer Woche. Die Hafenstädte sind gut an das Flugnetz angebunden, was die An- und Abreise vereinfacht.
Wichtig zu wissen: Civitavecchia liegt etwa 70 Kilometer von Rom entfernt. Mit dem Zug bist du in gut einer Stunde am Bahnhof Termini. Die Tickets kosten etwa 5 bis 15 Euro, je nach Zugtyp. Buche im Voraus, wenn möglich, um Wartezeiten zu vermeiden. In Barcelona ist der Hafen deutlich zentraler gelegen, die U-Bahn bringt dich in 15 Minuten zur Rambla.
Die beste Reisezeit für das westliche Mittelmeer ist April bis Juni oder September bis Oktober. Im Juli und August herrschen Temperaturen von über 30 Grad Celsius, und die beliebtesten Sehenswürdigkeiten sind stark überlaufen. Viele Reisende berichten, dass die Nebensaison angenehmer ist, besonders in den Städten.
Östliches Mittelmeer: Griechenland, Türkei und Zypern
Das östliche Mittelmeer bietet eine andere Ästhetik als der Westen. Hier stehen antike Stätten, türkische Basare und griechische Inseln im Mittelpunkt. Typische Routen starten in Piräus bei Athen, in Istanbul oder zunehmend auch in Limassol auf Zypern. 🏛️
Die griechischen Inselrouten gehören zu den gefragtesten überhaupt. Santorin, Mykonos, Rhodos und Kreta sind Standardziele, manchmal ergänzt um kleinere Inseln wie Patmos oder Milos. Die Distanzen zwischen den Inseln sind kurz, was bedeutet, dass du viele verschiedene Orte in kurzer Zeit siehst. Der Nachteil: Die Zeit an Land ist oft begrenzt, manchmal nur wenige Stunden pro Halt.
Istanbul ist ein Highlight für sich. Wenn dein Schiff hier übernachtet, hast du genug Zeit für die Hagia Sophia, den Großen Basar und eine Bootsfahrt auf dem Bosporus. Achte bei der Routenplanung darauf, ob Istanbul als Tageshafen oder Übernachtungshafen eingeplant ist. Der Unterschied ist enorm.
Für die Türkei gilt: Informiere dich aktuell beim Auswärtigen Amt über die Sicherheitslage. Die offizielle Tourismus-Website der Türkei informiert über geöffnete Sehenswürdigkeiten und lokale Regelungen. Die Einreisebestimmungen können sich ändern, besonders bei Landgängen in mehreren Ländern.
Die beste Reisezeit ist hier Mai bis Juni oder September bis Oktober. Im Hochsommer können Temperaturen von 40 Grad Celsius erreichen, was Stadtbesichtigungen zur Qual macht. Die Meere sind im Frühjahr und Herbst außerdem oft ruhiger, was bei empfindlichen Seeleuten relevant ist.
Adria und nördliches Mittelmeer: Venedig bis Dubrovnik
Die Adria-Routen sind spezialisiert und haben eine eigene Anhängerschaft. Venedig, Split, Dubrovnik und die montenegrinische Küste sind die Hauptziele, manchmal ergänzt um Korfu oder die griechischen Ionischen Inseln. 🌅
Venedig als Abfahrtshafen ist problematisch geworden. Aufgrund der Umweltdebatte um die großen Kreuzfahrtschiffe müssen viele Reedereien nun in Ravenna oder Triest starten. Von dort aus fährt ein Shuttle nach Venedig, was zusätzliche Planung erfordert. Rechne mit etwa zwei Stunden Fahrzeit und Kosten von 20 bis 40 Euro für den Transfer.
Dubrovnik ist ein Muss auf dieser Route, aber auch ein Beispiel für Überlastung. Die Altstadt ist klein, und bei mehreren gleichzeitig anlegenden Schiffen wird es extrem voll. Der Tipp vieler erfahrener Reisender: Buche den Landgang für den frühen Morgen oder den späten Nachmittag. Die Stadtmauern sind am besten gegen 8 Uhr morgens oder nach 17 Uhr zu erleben.
Montenegro, speziell Kotor, ist ein Geheimtipp auf dieser Route. Die Bucht von Kotor gehört zum UNESCO-Welterbe und ist von der Schiffsperspektive beeindruckend. Wenn deine Route einen Stopp in Kotor bietet, lohnt sich der Aufstieg zur Festung über der Altstadt. Die Wanderung dauert etwa 90 Minuten und erfordert festes Schuhwerk.
Die beste Reisezeit für die Adria ist Mai, Juni oder September. Juli und August sind extrem heiß und überlaufen, besonders in Dubrovnik und Split. Im Oktober können erste Stürme auftreten, die Hafenanläufe erschweren.
Inseln des westlichen Mittelmeers: Mallorca, Sardinien, Malta
Nicht jede Mittelmeer-Kreuzfahrt konzentriert sich auf große Städte. Einige Routen legen den Schwerpunkt auf Inseln und deren Natur. Mallorca, Menorca, Sardinien, Korsika und Malta sind typische Ziele dieser Kategorie. 🌴
Diese Routen eignen sich besonders für Strandliebhaber und Wanderer. Auf Sardinien lohnt sich der Besuch des Golfo di Orosei, einer Küstenregion mit Buchten, die nur per Boot oder Wanderung erreichbar sind. Auf Menorca sind die Camí de Cavalls-Wanderwege ein Highlight, ein 185 Kilometer langer Küstenpfad, von dem du auch kurze Abschnitte in einem Landgang schaffen kannst.
Malta bietet mit Valletta einen der am besten erhaltenen Barockstädte Europas. Die Stadt ist kompakt und fußläufig zu erkunden. Ein Tipp: Die Upper Barracca Gardens bieten einen kostenlosen Blick auf den Grand Harbour, ohne dass du in teure Aussichtscafés gehen musst.
Die Herausforderung bei Inselrouten ist die begrenzte Infrastruktur. Nicht jeder Hafen bietet einfache Verbindungen ins Landesinnere. Auf Korsika beispielsweise sind öffentliche Busse spärlich und teuer. Viele Reisende buchen deshalb organisierte Ausflüge oder mieten für den Landtag ein Auto, was etwa 40 bis 70 Euro kostet.
Die beste Reisezeit ist hier Juni oder September. Im Juli und August sind die Inseln überlaufen und die Preise für Mietwagen und Restaurants deutlich höher.

Festlandrouten: Weniger bekannt, aber lohnenswert
Neben den klassischen Insel- und Städterouten gibt es Routen, die stärker auf Festlandziele setzen. Spanien und Portugal von Süden nach Norden, Italien entlang der Adriaküste, oder seltene Kombinationen wie Marokko mit Südspanien gehören dazu. 🗺️
Marokko als Kreuzfahrtziel ist eine eigene Kategorie. Casablanca, Tangier und Agadir werden angefahren, manchmal auch kleinere Häfen wie Nador. Die kulturellen Unterschiede zum europäischen Mittelmeer sind spürbar, was die Route interessant macht. Allerdings solltest du dich über lokale Gepflogenheiten informieren, besonders was Kleidung und Verhalten in religiösen Stätten angeht.
Die Kanarischen Inseln werden oft mit dem westlichen Mittelmeer kombiniert, gehören geografisch aber zum Atlantik. Routen von Teneriffa über Madeira nach Lissabon sind typisch. Diese Reisen eignen sich für den Winter, da die Kanaren das ganze Jahr über milde Temperaturen haben. Im Januar kannst du dort bei 20 Grad Celsius wandern, während das mittlere Mittelmeer zu kalt für Strandaktivitäten ist.
Portugal ist ein unterbewertetes Kreuzfahrtziel. Lissabon als Abfahrts- oder Endhafen bietet eine hervorragende Erweiterungsmöglichkeit. Plane zwei bis drei Tage vor oder nach der Kreuzfahrt ein, um die Stadt zu erkunden. Die Tram 28 ist touristisch, aber immer noch der effizienteste Weg, die Hügelstadt zu erleben. Ein Ticket kostet etwa 3 Euro.
So wählst du die richtige Route
Die Route ist wichtiger als das Schiff. Ein großes, luxuriöses Schiff auf der falschen Route führt zu mehr Frustration als ein kleineres Schiff auf einer Route, die zu deinen Interessen passt. 🎒
Überlege zuerst, was du priorisierst: Städte, Natur, Geschichte, Strand oder kulinarische Erlebnisse? Das westliche Mittelmeer ist städtischer, das östliche historischer, die Inselrouten naturbezogener. Wenn du dich für antike Stätten interessierst, ist das östliche Mittelmeer die bessere Wahl. Für moderne Architektur und lebhafte Städte ist der Westen geeigneter.
Die Reisedauer ist ein weiterer Faktor. Siebentägige Routen sind Standard, aber oft hetzig. Du hast kaum einen Tag, an dem du nicht an- oder ablegst. Zehn- bis zwölftägige Routen bieten mehr Ruhetage auf See, was gerade bei Langstreckenflügen sinnvoll ist. Vierzehntägige Routen kombinieren oft West- und Ostmittelmeer, verlangen aber auch mehr Zeit und Budget.
Achte auf die Hafenzeiten. „Ankunft 7 Uhr, Abfahrt 17 Uhr“ bedeutet in Wahrheit etwa acht Stunden an Land, abzüglich der Zeit für An- und Ablegen. Bei Städten wie Rom oder Florenz, die weit vom Hafen entfernt liegen, bleibt für die Besichtigung weniger Zeit als es scheint. Rechne realistisch: Von Civitavecchia nach Rom und zurück benötigst du mindestens drei Stunden, bleiben vier Stunden für die Stadt.
Die Reederei beeinflusst das Erlebnis stark. Familienorientierte Anbieter legen andere Häfen an als exklusive Premiumreedereien. Einige haben private Inseln oder Strände, die nur für ihre Gäste zugänglich sind. Vergleiche nicht nur Preise, sondern auch die genauen Routenpläne.

Praktische Tipps für die Buchung und Vorbereitung
Buche früh, wenn du eine bestimmte Kabinenkategorie oder Route willst. Beliebte Routen, besonders in den Schulferien, sind oft ein Jahr im Voraus ausgebucht. Last-Minute-Angebote gibt es, aber die Auswahl ist dann begrenzt. 🌞
Die Kabinenwahl ist strategisch. Innenkabinen sind günstiger, aber du merkst schnell, dass Tageslicht fehlt. Außenkabinen mit Bullauge sind ein guter Kompromiss. Balkonkabinen bieten Privatsphäre, aber auf manchen Routen nutzt du den Balkon weniger als erwartet, besonders bei kühlerem Wetter oder vielen Hafentagen.
Flug und Transfer sind oft im Paket günstiger, aber nicht immer flexibler. Vergleiche die Angebote der Reederei mit eigenen Buchungen. Manchmal lohnt sich die Anreise einen Tag früher und eine Übernachtung im Abfahrtshafen, um Stress zu vermeiden. Das gilt besonders für Fernreisen nach Barcelona, Rom oder Athen.
Packen für eine Kreuzfahrt unterscheidet sich vom normalen Urlaub. Abendkleidung ist auf vielen Schiffen erwünscht, manchmal sogar vorgeschrieben. Informiere dich über die Kleiderordnung deiner Reederei. Für Landgänge brauchst du bequeme Schuhe, Sonnenschutz und eine kleine Tagesrucksack. Das Schiff bietet Wäscheservice an, aber die Preise sind hoch. Packe für eine Woche Reise etwa vier bis fünf Outfits ein und wasche zwischendurch.
Reiseversicherungen sind bei Kreuzfahrten wichtiger als bei anderen Reisen. Die Kosten für einen medizinischen Notfall auf See oder einen Abbruch sind hoch. Achte darauf, dass die Versicherung auch „Cancel for any reason“ abdeckt oder zumindest spezifische Kreuzfahrtbedingungen enthält. Informiere dich aktuell beim Auswärtigen Amt über Empfehlungen zu Reiseversicherungen für Auslandsreisen.
Was kostet eine Mittelmeer-Kreuzfahrt in etwa?
Antwort: Preise beginnen bei etwa 600 Euro für eine Woche in einer Innenkabine in der Nebensaison. In der Hauptsaison oder bei Balkonkabinen liegen sie bei 1.200 bis 2.500 Euro. Premiumreedereien starten bei 3.000 Euro. Zusatzkosten für Getränke, Ausflüge und Trinkgelder können 300 bis 800 Euro ausmachen.
Brauche ich für alle Häfen einen Reisepass?
Antwort: Ja, der Reisepass ist Pflicht, auch wenn du innerhalb der EU reist. Einige Länder wie die Türkei oder Marokko verlangen eine Mindestgültigkeit von sechs Monaten. Informiere dich aktuell beim Auswärtigen Amt über die spezifischen Einreisebestimmungen jedes Landes auf deiner Route.
Wie vermeide ich Überlastung in den Häfen?
Antwort: Wähle Routen mit Übernachtungen in den Häfen oder späten Abfahrtszeiten. Vermeide die Hochsaison Juli und August. Buche individuelle Ausflüge statt Bustouren, um flexibler zu sein. In Dubrovnik und Santorin lohnt sich der frühe Morgen oder der späte Nachmittag für die Erkundung.
Sind organisierte Ausflüge oder Individualtouren besser?
Antwort: Das hängt vom Ziel ab. In Städten wie Rom oder Athen ist der öffentliche Zug oft schneller und günstiger als der Bustransfer der Reederei. In abgelegenen Regionen wie dem Golfo di Orosei oder der Bucht von Kotor sind organisierte Touren praktischer. Vergleiche Preise: Reedereiausflüge kosten oft 80 bis 150 Euro, individuelle Alternativen manchmal unter 50 Euro.
Was ist die beste Reisezeit für eine Mittelmeer-Kreuzfahrt?
Antwort: Mai, Juni, September und Oktober bieten das beste Verhältnis aus Wetter, Preisen und Menschenmenge. Im Juli und August ist es heiß und überlaufen. Im April und November können Wetterunbilden auftreten, die Hafenanläufe erschweren. Für die Kanarischen Inseln gilt: Das ganze Jahr über möglich, besonders als Winteralternative.