Griechenland ist kein einzelnes Reiseziel, sondern ein Archipel aus Landschaften, Städten und Inseln, die sich grundlegend unterscheiden. Wer nur nach Santorini fliegt, verpasst das Festland mit seinen Bergen, die Peloponnes mit ihren antiken Stätten und Kreta mit seiner eigenständigen Küche. Dieser Reiseführer gibt dir konkrete Routen, praktische Planungshilfen und ehrliche Einschätzungen, damit du die für dich passende Region findest.
Die beste Reisezeit für die meisten Regionen liegt zwischen Mitte April und Anfang Juni sowie zwischen Mitte September und Ende Oktober. In diesen Zeitfenstern sind die Temperaturen angenehm, die Preise moderat und die archäologischen Stätten weniger überlaufen. Juli und August bringen auf den Kykladen starken Meltemi-Wind, auf dem Festland Hitze über 35 Grad und auf den Inseln ausgebuchte Fähren. Informiere dich vor der Buchung über die aktuellen Reiseorganisationbestimmungen beim Auswärtigen Amt, besonders wenn du über Nicht-EU-Länder anreist.
Athen: Antike und Alltag in drei Tagen
Athen ist für die meisten Reisenden der Einstieg, und das aus gutem Grund. Die Akropolis mit dem Parthenon öffnest du am besten direkt zur Öffnung um 8 Uhr, dann hast du die ersten 90 Minuten fast für dich. Tickets für die Akropolis und die sechs weiteren archäologischen Stätten (unter anderem Agora, Olympieion, Kerameikos) bekommst du als Kombi-Ticket für rund 30 Euro, gültig für mehrere Tage. Prüfe die aktuellen Öffnungszeiten auf der offiziellen Website des griechischen Kulturministeriums, da sie saisonal variieren.
Für den Rest der Stadt planst du nach Vierteln. Plaka und Anafiotika sind die postkartentauglichen Altstadtgassen unterhalb der Akropolis, ideal für einen Abendspaziergang. Monastiraki ist der Ort für Flohmärkte und Streetfood, konkret die Souvlaki-Buden an der Mitropoleos-Straße. Exarchia ist das studentische, alternative Viertel mit Buchläden und Tavernen, in denen Athener selbst essen. Kolonaki ist teuer und schick, gut für einen Kaffee am Vormittag.
Für die Aussicht lohnt sich der Lykavittos-Hügel, den du per Standseilbahn von Kolonaki aus erreichst (ca. 10 Euro hin und zurück). Wenn du Zeit hast, plane einen halben Tag im Archäologischen Nationalmuseum ein, das die umfassendste Sammlung griechischer Antike weltweit beherbergt. Ein typischer Tagesablauf: morgens Akropolis, mittags Siesta im Übernachtung, nachmittags Museum, abends Essen in Monastiraki.
Peloponnes: Antike Stätten und Bergdörfer mit dem Mietwagen
Die Peloponnes ist die unterschätzteste Region Griechenlands. Mit einem Mietwagen ab Athen (ca. 40 bis 60 Euro pro Tag in der Nebensaison) erreichst du nach zwei Stunden den Kanal von Korinth, nach weiteren 45 Minuten das antike Korinth. Die eigentliche Stärke der Halbinsel liegt in der Kombination aus Mykene, Epidauros, Olympia und Mystras, alle innerhalb weniger Fahrstunden erreichbar.
Mykene mit dem Löwentor und dem Grab des Agamemnon ist eindrucksvoll, aber schattenlos, also früh am Morgen besuchen. Epidauros beherbergt das besterhaltene antike Theater mit einer Akustik, die selbst auf der obersten Reihe noch Flüstern verstärkt. Olympia im Westen ist Geburtsort der Olympischen Spiele, mit Museum und Ausgrabungsstätte. Mystras bei Sparta ist eine byzantinische Geisterstadt am Berghang, die du in zwei bis drei Stunden zu Fuß erkundest.
Für Übernachtungen bieten sich Nafplio als Basis für die Argolis an (hübsche Altstadt, venezianische Festung Palamidi) und Monemvasia im Südosten, eine auf einen Felsen gebaute Festungsstadt. Plane mindestens vier bis fünf Tage für eine sinnvolle Rundfahrt. Tankstellen sind auf dem Land dünn gesät, also fahre nicht unter halbvoll. Die Straßen sind meist gut, aber kurvig, rechne mit längeren Fahrzeiten als der Routenplaner anzeigt.
Kreta: Eine Insel, die sich wie ein eigener Staat anfühlt
Kreta ist mit rund 260 Kilometern Länge zu groß für einen einzigen Urlaub. Entscheide dich für eine Region: Chania im Westen mit venezianischem Hafen und Samaria-Schlucht, Heraklion in der Mitte mit Knossos und Archäologischem Museum, oder Sitia und die Ostküste mit ruhigen Buchten. Wer zum ersten Mal kommt, nimmt meist Chania als Basis und plant Tagesausflüge.
Die Samaria-Schlucht ist eine 16 Kilometer lange Wanderung durch einen Nationalpark, die du nur in einer Richtung gehst (Start Xyloskalo, Ende Agia Roumeli, dann Fähre nach Sfakia oder Sougia). Gutes Schuhwerk, mindestens zwei Liter Wasser und Start vor 7 Uhr sind Pflicht. Die Tour dauert fünf bis sieben Stunden. Prüfe vorher, ob die Schlucht geöffnet ist, sie schließt je nach Witterung zwischen Oktober und April.
Kretas Küche unterscheidet sich deutlich vom Rest Griechenlands. Probiere Dakos (Gerstenzwieback mit Tomate und Myzithra-Käse), Kalitsounia (kleine Käsetaschen) und Lamm mit Stamnagathi (wildem Chicorée). In Chania isst du gut in den Gassen der Altstadt, in Heraklion lohnt sich ein Ausflug nach Archanes ins Weinland. Mietwagen sind auch hier die beste Wahl, Busse verbinden zwar die Küstenstädte, aber nicht die Bergdörfer.
Thessaloniki und Chalkidiki: Der Norden als Alternative
Thessaloniki ist nach Athen die zweitgrößte Stadt und kulturell eigenständig. Die Uferpromenade zieht sich mehrere Kilometer entlang der Bucht, die Altstadt Ano Poli liegt am Hang mit Blick über die Stadt. Das Archäologische Museum und das Byzantinische Museum sind beide sehenswert, der Weiße Turm an der Promenade ist das Wahrzeichen. Die Stadt ist bekannt für ihr Nachtleben und ihre Küche: Bougatsa zum Frühstück, Souvlaki und Meze am Abend.
Südöstlich liegt Chalkidiki mit drei Fingern: Kassandra ist touristisch und lebhaft, Sithonia ruhiger mit schöneren Stränden, Athos ist Mönchsrepublik und für Frauen und die meisten Männer nicht zugänglich (nur mit Sondergenehmigung und mindestens 18 Jahren). Für einen Badeurlaub mit Mietwagen ist Sithonia die beste Wahl, konkrete Orte sind Vourvourou, Sarti und Toroni. Die Saison läuft von Mai bis Oktober, im Juli und August ist es voll.

Die Region eignet sich gut für eine Kombination: drei Tage Thessaloniki, dann fünf bis sieben Tage Chalkidiki. Fähren zu den Sporaden (Skiathos, Skopelos, Alonissos) starten von Volos oder Agios Konstantinos, beide etwa zwei bis drei Stunden von Thessaloniki entfernt. Die Fährverbindungen buchst du am besten über die offiziellen Websites der Reedereien oder über Greek Travel Pages, wo alle aktuellen Fahrpläne gelistet sind.
Kykladen ohne Santorini-Massen: Naxos, Milos und Amorgos
Die Kykladen sind die bekannteste Inselgruppe, aber Santorini und Mykonos sind nicht die einzigen lohnenden Ziele. Naxos ist die größte und grünste Kyklade, mit dem Berg Zas (1004 Meter), langen Sandstränden bei Agios Prokopios und Plaka sowie dem antiken Tempel des Apollo an der Hafeneinfahrt. Milos ist vulkanisch und hat die mondähnliche Bucht von Sarakiniko sowie die farbigen Strände von Firiplaka und Tsigrado. Amorgos ist ruhig und bekannt für das Kloster Panagia Hozoviotissa, das in eine Klippe gebaut ist.
Fähren verbinden die Inseln untereinander und mit Piräus sowie Rafina. Die schnellen Katamarane brauchen für Piräus nach Naxos etwa drei bis vier Stunden, die konventionellen Fähren sechs bis acht. Buche Fährtickets in der Hochsaison mindestens zwei Wochen im Voraus, in der Nebensaison reicht oft ein bis zwei Tage. Die Fähren fahren bei starkem Meltemi manchmal nicht, plane Puffer ein.
Unterkünfte auf diesen Inseln sind günstiger als auf Santorini. Rechne mit 60 bis 120 Euro pro Nacht für ein Doppelzimmer mit Meerblick in der Nebensaison, in der Hochsaison mit dem Doppelten. In Naxos-Stadt und auf Milos in Adamas findest du die meisten Restaurants und Mietwagenanbieter. Ein Mietwagen oder Quad ist auf Naxos und Milos sinnvoll, auf Amorgos reicht oft der Bus.
Praktische Planung: Fähren, Mietwagen, Budget
Für die Anreise nach Griechenland fliegst du am günstigsten nach Athen oder Thessaloniki, in der Saison auch direkt auf viele Inseln (Kreta, Rhodos, Kos, Santorini, Mykonos). Direktflüge ab Deutschland gibt es von Frankfurt, München, Berlin, Düsseldorf und Wien. In der Nebensaison sind Umsteigeverbindungen über Athen oft günstiger.
Fähren buchst du über die Reedereien (Blue Star Ferries, Hellenic Seaways, SeaJets) oder über Portale wie Ferryhopper. Für Mietwagen brauchst du einen EU-Führerschein, das Mindestalter liegt meist bei 21 oder 23 Jahren, auf einigen Inseln bei 25. Die Haftpflicht ist in Griechenland oft niedriger als in Deutschland, prüfe die Deckungssumme und buche eine Vollkasko ohne Selbstbeteiligung.

Dein Tagesbudget hängt stark von der Region ab. Auf dem Festland und der Peloponnes kommst du mit 60 bis 90 Euro pro Person und Tag aus (Unterkunft, Essen, Eintritte). Auf den Kykladen in der Hochsaison sind 120 bis 180 Euro realistisch. Reisekrankenversicherung ist empfehlenswert, aktuelle Impfempfehlungen findest du beim Robert-Koch-Institut. Für Notfälle gilt die europäische Krankenversicherungskarte, aber sie deckt nur Basisleistungen.
Fazit: Wähle eine Region, nicht das ganze Land
Griechenland belohnt Reisende, die sich auf eine Region konzentrieren. Drei Wochen für Athen, Peloponnes und eine Kyklade sind realistisch, drei Wochen für Athen, Kreta und Rhodos wären dagegen gehetzt. Entscheide dich nach Interesse: Antike und Städte auf dem Festland, Wandern und Bergdörfer auf der Peloponnes, Strand und Küche auf Kreta, Inselhopping auf den Kykladen. Buche Fähren und Mietwagen früh, meide Juli und August, wenn du Menschenmassen und Hitze nicht magst. Mit diesen Grundlagen planst du eine Reise, die zu dir passt, statt einer, die nur die bekannten Postkarten abhakt.
FAQ
Wann ist die beste Reisezeit für Griechenland?
Antwort: Mitte April bis Anfang Juni und Mitte September bis Ende Oktober sind ideal. Dann sind die Temperaturen mild, die Preise moderat und die Sehenswürdigkeiten weniger überlaufen. Juli und August bringen Hitze und auf den Inseln starken Wind.
Brauche ich für Griechenland ein Visum?
Antwort: Als EU-Bürger brauchst du für touristische Aufenthalte bis 90 Tage kein Visum. Informiere dich vor der Reise über die aktuellen Einreisebestimmungen beim Auswärtigen Amt. Für längere Aufenthalte oder andere Staatsangehörigkeiten gelten abweichende Regeln.
Wie komme ich zwischen den Inseln am besten voran?
Antwort: Fähren sind das wichtigste Verkehrsmittel, Tickets buchst du über die Reedereien oder Portale wie Ferryhopper. In der Hochsaison solltest du mindestens zwei Wochen im Voraus buchen. Bei starkem Meltemi können Fähren ausfallen, plane Puffer ein.
Wie viel Budget sollte ich pro Tag einplanen?
Antwort: Auf dem Festland und der Peloponnes rechnest du mit 60 bis 90 Euro pro Person und Tag. Auf den Kykladen in der Hochsaison sind 120 bis 180 Euro realistisch. Unterkunft, Verpflegung und Eintritte machen den größten Anteil aus.
Welche Region eignet sich für eine erste Griechenland-Reise?
Antwort: Für den Einstieg eignet sich eine Kombination aus Athen und der Peloponnes oder Athen und einer Kyklade wie Naxos. So siehst du Antike, Städte und Strand, ohne zu viel Zeit in Fähren zu verbringen. Kreta lohnt sich eher für eine zweite Reise mit mehr Zeit.