Die Island Ringstraße ist 1.332 Kilometer lang und führt einmal um die ganze Insel. Klingt machbar, oder? Ist es auch – aber nur, wenn du Straßenzustand, Wetter und Buchungsvorlauf ernst nimmst.
Wir haben die Island Ringstraße selbst gefahren und wissen: Wer planlos startet, verliert Tage. Deshalb bekommst du hier konkrete Zahlen, ehrliche Warnungen und eine klare Empfehlung.
Was ist die Island Ringstraße überhaupt?
Die Ringstraße heißt offiziell Route 1 und umrundet Island fast vollständig. Sie verbindet Reykjavík mit Akureyri, Egilsstaðir, Höfn und Vík. Asphaltiert ist sie weitgehend – Schotterabschnitte auf der Hauptstrecke gibt es kaum noch.
Trotzdem: Einspurige Brücken, enge Kurven und plötzliche Wetterwechsel bleiben. Im Hochland oder auf Nebenstrecken brauchst du Allrad. Auf der Island Ringstraße selbst reicht ein normaler Pkw im Sommer.
Was viele übersehen: Die Ringstraße ist keine Autobahn. Tempolimit außerorts: ca. 90 km/h auf Asphalt, auf Schotter meist niedriger Auf einspurigen Brücken gilt keine gesonderte Geschwindigkeitsbegrenzung.
Route für 7–10 Tage: So teilst du die Etappen auf
Sieben Tage sind sportlich. Zehn Tage sind entspannt. Dazwischen liegt die Wahrheit.

Unsere Empfehlung: Mindestens 8 Tage, besser 10. Sonst sitzt du nur im Auto und siehst nichts.
Die klassische 8-Tage-Route
- Tag 1–2: Reykjavík → Þingvellir → Geysir → Gullfoss → Vík (ca. 380 km)
- Tag 3: Vík → Skaftafell → Jökulsárlón → Höfn (ca. 270 km)
- Tag 4: Höfn → Egilsstaðir (ca. 260 km)
- Tag 5: Egilsstaðir → Mývatn → Akureyri (ca. 280 km)
- Tag 6: Akureyri → Blönduós → Hvammstangi (ca. 220 km)
- Tag 7: Hvammstangi → Snæfellsnes → Borgarnes (ca. 300 km)
- Tag 8: Borgarnes → Reykjavík (ca. 100 km)
Das sind rund 1.800 Kilometer mit Abstechern. Klingt viel? Ist es auch. Plane pro Tag nicht mehr als 300 Kilometer.
10-Tage-Variante: Mehr Luft, mehr Erlebnisse
Nimm dir einen Extra-Tag für die Ostfjorde. Die Straßen dort sind kurvig und langsam. Ein weiterer Tag gehört Snæfellsnes – die Halbinsel ist ein Mini-Island für sich.
| Etappe | Strecke | Fahrzeit (Sommer) | Highlights |
|---|---|---|---|
| Reykjavík → Vík | 190 km | 3 Std. | Seljalandsfoss, Skógafoss, Reynisfjara |
| Vík → Höfn | 270 km | 4 Std. | Jökulsárlón, Diamond Beach |
| Höfn → Egilsstaðir | 260 km | 4 Std. | Ostfjorde, Rentier-Sichtungen |
| Egilsstaðir → Akureyri | 280 km | 4,5 Std. | Dettifoss, Mývatn, Goðafoss |
| Akureyri → Borgarnes | 380 km | 5 Std. | Hvitserkur, Snæfellsnes |
Diese Tabelle zeigt: Die Fahrzeiten täuschen. Fotostopps, Wetter und Schafe auf der Straße kosten Zeit.
Straßenzustand: Was dich wirklich erwartet
Die Island Ringstraße ist gut ausgebaut. Trotzdem gibt es Fallstricke.
Die größten Herausforderungen auf der Strecke
Einspurige Brücken findest du vor allem im Osten und Norden. Wer zuerst da ist, fährt. Klingt einfach, ist es meistens auch.
Schotterstraßen erwarten dich auf Nebenstrecken. Dazu zählen Straßen zu Wasserfällen oder ins Hochland. Dort gilt: Langsam fahren, Abstand halten, Steinschlag vermeiden.
Tunnel gibt es bei Akureyri und im Osten. Manche sind einspurig mit Ausweichbuchten. Bezahlt wird digital – etwa 10 bis 15 Euro pro Fahrt.
| Straßentyp | Tempolimit | Fahrzeug | Risiko |
|---|---|---|---|
| Asphalt (Route 1) | 90 km/h | Pkw reicht | Gering |
| Schotter (Nebenstraßen) | 80 km/h | Allrad empfohlen | Steinschlag, Reifen |
| Hochland (F-Straßen) | 80 km/h | Nur Allrad | Furten, Sperrungen |
| Einspurige Brücke | 50 km/h | Jedes Fahrzeug | Gegenverkehr |
Prüfe vor jeder Etappe road.is und vedur.is. Diese Seiten zeigen Straßenzustand und Wetter in Echtzeit.
Unterkünfte: Warum du 6 Monate vorher buchen musst
Hand aufs Herz: Wer im Juli spontan ein Zimmer suchst, zahlt das Doppelte. Oder schläft im Auto.
Island hat rund 380.000 Einwohner. Touristen kommen jährlich über 2 Millionen. Die Betten sind knapp.
Unsere Buchungsregel:
- Hauptsaison (Juni–August): 6 Monate vorher buchen
- Nebensaison (Mai, September): 3 Monate vorher reicht
- Winter (Oktober–April): 4–6 Wochen Vorlauf, aber flexible Stornierung wählen
Preise pro Nacht im Doppelzimmer mit Bad:
- Gästehaus: 90–150 Euro
- Hotel: 150–250 Euro
- Hütte mit Küche: 120–200 Euro
- Campingplatz: 15–25 Euro pro Person
Wetterrisiken: Der Faktor, den niemand kontrolliert
Island hat vier Jahreszeiten – an einem Tag. Ehrlich gesagt: Das ist kein Klischee.

Wind ist der größte Feind. Böen von 20 Metern pro Sekunde reißen Autotüren ab. Buchstäblich. Öffne die Tür immer mit der Hand am Griff und dem Körper gegen den Wind.
Regen fällt häufig, aber selten lange. Eine wasserdichte Jacke ist Pflicht. Schirme sind nutzlos. Der Wind knickt sie sofort.
Nebel im Osten und Norden reduziert die Sicht auf 50 Meter. Dann gilt: Runter vom Gas, Nebelschlussleuchte an.
Sandstürme im Süden bei Vík und im Hochland zerkratzen Lack und Scheiben. Bei Warnung: nicht fahren.
Was viele unterschätzen: Die Wettervorhersage ändert sich stündlich. Prüfe vedur.is jeden Morgen neu. Und plane Puffertage ein. Nimm mindestens einen pro Woche.
Deine 7-Tage-Checkliste für die Island Ringstraße
- Führerschein: gültig, international empfohlen
- Versicherung: Gravel Protection und Sand and Ash Protection buchen
- Navigation: Offline-Karten herunterladen, Netz ist lückenhaft
- Tanken: Immer volltanken, wenn du eine Tankstelle siehst
- Notruf: 112, funktioniert überall
- Einreise: Prüfe aktuelle Hinweise beim Auswärtigen Amt
Warum 10 Tage besser sind als 7 – unsere klare Meinung
Sieben Tage klingen verlockend. Du sparst Urlaubstage und Geld. Aber du zahlst mit Stress.

Rechne nach: 1.332 Kilometer plus Abstecher ergeben mindestens 1.800 Kilometer. Bei 7 Tagen sind das 257 Kilometer pro Tag. Mit Fotostopps, Essen und Tanken verbringst du 5 bis 6 Stunden im Auto.
Das ist kein Roadtrip. Das ist ein Wettrennen.
Mit 10 Tagen fährst du 180 Kilometer täglich. Du hast Zeit für einen heißen Topf am Campingplatz. Für einen zweiten Wasserfall. Für ein Nickerchen im Auto, während der Regen prasselt.
Unsere Empfehlung: Nimm 10 Tage. Wenn das nicht geht, buche 8 Tage und lass Snæfellsnes weg. Die Halbinsel verdient einen eigenen Urlaub.
Und noch etwas: Reise in der Nebensaison. Mai und September sind goldene Monate. Weniger Touristen, günstigere Unterkünfte, fast gleiches Wetter.
Häufige Fragen
Wie viele Tage brauche ich für die Island Ringstraße?
Mindestens 7 Tage, besser 10. Bei 7 Tagen fährst du täglich rund 260 Kilometer. Mit 10 Tagen bleiben dir Zeit für Stopps und Pausen. Plane mindestens einen Puffertag für Wetter ein.
Wann sollte ich die Island Ringstraße buchen?
In der Hauptsaison von Juni bis August solltest du Unterkünfte 6 Monate vorher buchen. In der Nebensaison reichen 3 Monate. Im Winter brauchst du 4 bis 6 Wochen Vorlauf, aber flexible Stornierung.
Brauche ich Allrad für die Island Ringstraße?
Nein, auf der Route 1 reicht im Sommer ein normaler Pkw. Allrad brauchst du nur für Hochlandstraßen und einige Nebenstrecken. Prüfe vorher auf road.is, ob die Strecke für Pkw freigegeben ist.
Wie gefährlich ist das Wetter auf der Island Ringstraße?
Wind ist die größte Gefahr. Böen über 20 Meter pro Sekunde können Autotüren abreißen. Prüfe täglich vedur.is und road.is. Bei Sandsturmwarnung im Süden: nicht fahren.
Was kostet ein Roadtrip auf der Island Ringstraße?
Rechne mit 90 bis 250 Euro pro Nacht für Unterkünfte. Camping kostet 15 bis 25 Euro pro Person. Dazu kommen Sprit, Verpflegung und Aktivitäten. Insgesamt sind 150 bis 250 Euro pro Tag realistisch.