Kreta abseits der Strände: Schluchten, Bergdörfer und Klöster

Eine Erhebung der griechischen Tourismusbehörde für 2024 zeigt: Rund ein Viertel der Besucher kommt wegen der Strände nach Kreta. Dabei locken die Berge mit über 50 Schluchten und mehr als 1000 Höhenmetern. Wer Kreta abseits der Strände entdeckt, erlebt eine stille Insel voller Gegensätze.

Kreta abseits der Strände: Warum die Insel mehr als Sonnenbaden kann

Rund 1.000 Kilometer markierte Wanderwege durchziehen die Insel, und der höchste Gipfel bringt es auf 2.456 Meter. Wer nur die Küste kennt, verpasst deshalb die eigentliche Wildnis.

Der Kontrast zwischen Küste und Bergwelt

Zwischen Meer und Gipfeln liegen oft nur 30 Kilometer Luftlinie. Trotzdem wirkt das Bergland wie eine andere Welt. Dort oben findest du keine Liegenreihen, dafür 18 Schluchten mit teils über 1.000 Metern Tiefe. Die Samariaschlucht allein schluckt jährlich mehr als 150.000 Wanderer. Und das zu Recht.

Blick über die weißen Berge Kretas mit tiefen Schluchten im Morgenlicht

Unser Tipp: Plane deine Route nach Höhenlage, nicht nach Strandnähe. Denn die Bergdörfer liegen zwischen 400 und 900 Metern. Dort ist es im Juli spürbar kühler als an der Küste. Außerdem starten viele Pfade direkt vor der Haustür. Genau darin liegt der Reiz von Kreta abseits der Strände.

Region Höhenlage Wanderzeit Schwierigkeit
Lefka Ori (Samaria) 1.200 bis 2.450 m Mai bis Oktober anspruchsvoll
Lassithiplateau 800 bis 1.100 m April bis November leicht bis mittel
Psiloritis 1.500 bis 2.456 m Juni bis September anspruchsvoll
Küstenberge im Osten 300 bis 700 m ganzjährig leicht

Die beste Wanderzeit beginnt schon im April, wie viele übersehen. Dann blühen die Hochebenen, und die Pässe sind noch leer.

Durch die Samariaschlucht: Der Klassiker unter den Kretawanderungen

Rund 16 Kilometer schiebt sich die Samariaschlucht durch das Weiße Gebirge. Sie zählt zu den bekanntesten Schluchten Europas und zieht jährlich zahlreiche Wanderer an.

Ablauf, Anreise und beste Jahreszeit

Startpunkt ist der Ort Omalos auf etwa 1.250 Metern Höhe. Von dort führt der Pfad stetig bergab nach Agia Roumeli am Libyschen Meer. Rechne mit fünf bis sieben Stunden reiner Gehzeit. Der Abstieg ist anstrengend für die Knie, deshalb gehören Stöcke unbedingt dazu.

Die Behörden öffnen die Schlucht meist ab Anfang Mai und schließen sie Anfang Oktober. Im Hochsommer herrschen oft über 35 Grad im Tal.

Eiserne Tore der Samaria-Schlucht mit schmalem Pfad zwischen Felswänden

Die Anreise läuft über Chania mit dem Bus nach Omalos. Ab Agia Roumeli bringt dich ein Schiff zurück nach Chora Sfakion. Die Fähre fährt mehrmals täglich, die genauen Zeiten sollten vor Ort erfragt werden.

  • Feste Wanderschuhe mit gutem Profil
  • Mindestens zwei Liter Wasser pro Person
  • Sonnenhut und Sonnencreme mit hohem Schutz
  • Leichte Regenjacke für den frühen Morgen
  • Ausreichend Verpflegung für die gesamte Strecke

Lassithiplateau: Bergdörfer zwischen Windrädern und Hochebene

Rund 800 Meter hoch liegt die Ebene von Lassithi im Osten Kretas. Wer Kreta abseits der Strände sucht, findet auf dem Plateau ein Bergland mit Dörfern, Tavernen und alten Wanderwegen.

Krasi, Tzermiado und die Diktihöhle

Krasi liegt am Nordrand des Plateaus unter einer 2000 Jahre alten Platane. In den Tavernen rund um den Dorfplatz bekommst du deftige Bergküche für rund 8 bis 14 Euro pro Gericht.

Von Krasi führt ein alter Maultierpfad hinauf nach Tzermiado. Der Weg dauert etwa 90 Minuten und bietet freie Sicht über die gesamte Hochebene. Tzermiado selbst zählt rund 700 Einwohner und gilt als Ausgangspunkt zur Diktihöhle. Drinnen herrschen konstant 15 Grad, deshalb pack besser eine Jacke ein.

Bergdorf Einwohner Sehenswürdigkeit Wanderweg
Krasi etwa 300 2000 Jahre alte Platane Maultierpfad nach Tzermiado
Tzermiado etwa 700 Ausgangspunkt Diktihöhle Aufstieg zur Höhle, 30 Minuten
Psychro etwa 130 Geburtshöhle des Zeus Rundweg um das Plateau
Agios Georgios etwa 200 Windmühlen am Dorfrand Talwanderung nach Kera

Viele übersehen die alten Windräder am Rand der Ebene, die einst Wasser für die Felder pumpten. Heute stehen nur noch wenige intakt. Trotzdem lohnt der Fußweg dorthin, denn die Aussicht reicht bis zum Meer. Plane für den Rundweg etwa zwei Stunden ein und starte früh, da es mittags warm wird.

Klöster im Bergland: Stille Orte mit langer Geschichte

Zwei Klöster prägen das Bergland besonders stark.

Kloster Preveli und Kloster Arkadi

Preveli liegt an der Südküste bei Plakias und thront über einer Palmenbucht. Gegründet wurde es im 16. Jahrhundert, heute leben dort noch wenige Mönche. Deshalb plane festes Schuhwerk ein.

Weite Hochebene von Lassithi mit verstreuten Dörfern und alten Windrädern

Arkadi liegt rund 23 Kilometer südöstlich von Rethymno auf etwa 500 Metern Höhe. Die Klosteranlage stammt aus dem 16. Jahrhundert und spielte 1866 eine zentrale Rolle im Aufstand gegen die Osmanen. Der Innenhof mit seinen Bogengängen wirkt bis heute eindrucksvoll.

Beide Klöster erreichst du mit dem Auto, Busse fahren unregelmäßig. Arkadi liegt dagegen eher abseits der großen Wandertouren.

Viele übersehen die klaren Regeln für den Besuch.

  • Schultern und Knie bedecken, auch bei Hitze
  • In Kirchen und Kapellen nicht fotografieren
  • Leise sprechen und Andachten nicht stören
  • Keine Picknicks auf den Klosterflächen
  • Eintritt von etwa 3 bis 5 Euro einplanen

Prüfe aktuelle Öffnungszeiten vor der Anreise, denn sie ändern sich saisonal.

Route planen: So verbindest du Schluchten, Dörfer und Klöster

Drei Tage reichen locker, um Kreta abseits der Strände richtig zu erleben. Starte in Chania und fahre am ersten Tag rund 45 Kilometer bis zur Samariaschlucht. Parke früh am Eingang in Xyloskalo, denn die ersten Busse kommen gegen acht Uhr. Nach der Wanderung bringt dich ein Boot von Agia Roumeli zurück, alternativ wartet ein Bus in Sougia auf dich.

  • Tag 1: Chania nach Xyloskalo, 45 Kilometer, Übernachtung in Omalos oder Chora Sfakion
  • Tag 2: Fahrt über die Südstraße nach Rethymno, etwa 110 Kilometer, Stopp am Kloster Preveli
  • Tag 3: Weiter nach Arkadi und über die Berge ins Lassithiplateau, rund 130 Kilometer.
[Das Bild zeigt eine Serpentinenstraße durch die kretische Berglandschaft Richtung Süden.]

Was viele übersehen: Die Strecke über die Berge frisst mehr Zeit als gedacht. Plane deshalb pro Etappe mindestens zwei Stunden Fahrzeit ein. Unser Tipp: Buche die Unterkünfte in den Bergdörfern vorab, denn im Sommer sind die wenigen Zimmer schnell weg. Mietwagen kosten je nach Saison etwa 35 bis 60 Euro pro Tag.

Was du dir auf Kreta abseits der Strände nicht entgehen lassen solltest

Für Bergwanderungen empfehlen wir Ende April bis Anfang Juni. Dann blühen die Hochebenen, und die Tagestemperaturen liegen meist zwischen 18 und 24 Grad. Im Hochsommer dagegen wird die Samariaschlucht zur Hitzefalle, deshalb startest du besser vor 7 Uhr. Unser Tipp: Plane den ersten Wandertag bewusst kurz. Nimm die Samariaschlucht erst am dritten Tag in Angriff, weil deine Muskeln dann an steile Passagen gewöhnt sind. Als Aufwärmrunde reicht der Rundweg durch die Lassithihochebene bei Tzermiado völlig aus. Etwa 8 Kilometer, kaum Höhenmeter, viele Eindrücke. Was viele übersehen: Die Bergdörfer leeren sich mittags, weil Einheimische Siesta halten. Reserve deinen Kaffee also auf den späten Nachmittag. Bei der Routenwahl gilt: Wer nur zwei Nächte bleibt, konzentriert sich besser auf den Osten um Lassithi. Wer nur zwei Nächte bleibt, sollte sich auf den Osten um Lassithi konzentrieren. Der Westen mit Samaria und Preveli lohnt erst ab vier Tagen, weil die Fahrzeiten sonst jeden Wandertag auffressen. Auf Kreta abseits der Strände entdeckst du mehr, wenn du einen Wanderweg an zwei Tagen gehst statt drei an einem. Buche deine Unterkunft deshalb in einem Bergdorf statt an der Küste.

Häufige Fragen

Kann man die Samaria-Schlucht auf Kreta abseits der Strände allein wandern?

Die Schlucht darf nur in geführten Gruppen oder mit offizieller Genehmigung durchquert werden. Starte früh morgens in Xyloskalo, denn die letzte Rückkehr ist streng getaktet. Prüfe vorab die Öffnungszeiten, denn im Winter bleibt die Schlucht geschlossen.

Wie viele Tage brauche ich für Kreta abseits der Strände?

Für Samaria, das Lassithiplateau und zwei Klöster solltest du mindestens vier bis fünf Tage einplanen. Die Strecken zwischen Westen und Osten ziehen sich oft über zwei bis drei Stunden. Plane lieber eine Übernachtung in einem Bergdorf ein.

Welche Jahreszeit eignet sich für Wandern auf Kreta abseits der Strände?

Von April bis Juni und von September bis Oktober sind die Temperaturen angenehm zum Wandern. Im Hochsommer wird es in den Schluchten oft über 35 Grad heiß. Im Winter sind viele Bergdörfer und Klöster nur eingeschränkt erreichbar.

Brauche ich für die Klöster im Bergland besondere Kleidung?

Für Klosterbesuche sind lange Hosen und bedeckte Schultern Pflicht. Frauen legen oft einen Rock oder Tuch an, das vor Ort ausliegt. Badekleidung und kurze Hosen bleiben draußen, sonst wird der Eintritt verweigert.

Was kostet eine geführte Samaria-Wanderung ungefähr?

Geführte Touren mit Bus und Boot kosten meist zwischen 30 und 55 Euro pro Person. Der Eintritt in den Nationalpark liegt bei etwa 5 Euro. Verpflege dich selbst, denn in der Schlucht zahlst du für Wasser deutlich mehr.